Präsentation der Januarausgabe am 2. Juni 2026 in Bochum

„Brauchen die Frauen eine neue Gewerkschaft?“, fragte Ingrid Kurz-Scherf im Jahr 1994. Die Politologin galt als eine der schärfsten Kritikerinnen des „männlich-gewerkschaftlichen Wertehimmels“ – und ihre Intervention kam nicht von ungefähr. Denn Frauen waren lange Zeit in den Arbeitnehmerorganisationen der alten Bundesrepublik unterrepräsentiert, vor allem in den Führungsgremien. Der verengte Arbeitsbegriff, auf den sich diese damals bezogen, umfasste nur die entlohnte Erwerbsarbeit, nicht aber unbezahlte Sorge- und Hausarbeit. Auch deshalb erhielten Frauen- und Geschlechterfragen in den Gewerkschaften wenig Aufmerksamkeit, ebenso in ihrer Geschichtsschreibung. Hier zeigte sich also ein doppelt männlich geprägter Blick: Er betraf sowohl die organisatorische Ausrichtung der Gewerkschaften als auch die Darstellung ihrer historischen Entwicklungen.

Neuere Forschungen hinterfragen diese Perspektiven und erweitern sie. Die Ausgabe 1/26 der Zeitschrift „Arbeit – Bewegung – Geschichte” mit dem Schwerpunkt Geschlechtergeschichte der Gewerkschaften (mehr) greift aktuelle Forschungsergebnisse zur Geschlechtergeschichte der Gewerkschaften nach 1945 auf und führt sie zusammen. Das Heft wird vorgestellt von Redakteurin Anna Horstmann und Autorin Alicia Gorny. Sie präsentieren ihre Beiträge über Gewerkschaften als vergeschlechtlichte Organisationen und über weibliche Proteste in der westdeutschen Textil-Bekleidungsindustrie.

Datum: 2. Juni 2026, 18–20 Uhr. Haus der Geschichte des Ruhrgebietes, Bochum, Konferenzraum.

Mit:

Dr. Alicia Gorny (Institut für soziale Bewegungen, Ruhr-Universität Bochum)

Dr. Anna Horstmann (Universität Bielefeld, Redaktion)

Moderation: Dr. Marcel Bois (Universität Duisburg-Essen/Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg)

 

 

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